SIS formulieren: konkret, individuell und fachlich prüfbar.
Gute Formulierungen machen eine Situation nachvollziehbar. Sie zeigen, was die Person selbst kann und möchte, wo Unterstützung gebraucht wird und welche Angaben noch fachlich geklärt werden müssen.
Formulierungshilfe ist ein Anfang, kein fertiger Inhalt
Satzanfänge können den Einstieg erleichtern. Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass verschiedene Personen mit denselben austauschbaren Aussagen beschrieben werden. Der fachliche Wert entsteht erst durch die konkrete Beobachtung, den individuellen Zusammenhang und die Prüfung durch eine Pflegefachperson.
Sieben Grundsätze für klare SIS-Formulierungen
- 1
Die persönliche Sicht erkennbar lassen
Wünsche, Sorgen und Prioritäten der pflegebedürftigen Person nicht vorschnell in Fachsprache übersetzen. Originalton und fachliche Einschätzung bleiben unterscheidbar.
- 2
Beobachtung in einen Kontext setzen
Beschreiben, wann oder wobei etwas auffällt. Eine konkrete Situation ist besser prüfbar als ein allgemeines Etikett.
- 3
Ressourcen vor pauschalen Defiziten nennen
Festhalten, was selbstständig gelingt, welche Strategie die Person nutzt und an welcher Stelle Unterstützung erforderlich wird.
- 4
Aussage und Einordnung trennen
Deutlich machen, ob etwas von der Person berichtet, von Angehörigen ergänzt oder von der Pflegefachkraft beobachtet und eingeschätzt wurde.
- 5
Unterstützung konkret beschreiben
Nicht nur „braucht Hilfe“ schreiben, sondern Art, Umfang, Zeitpunkt und hilfreiche Bedingungen soweit bekannt benennen.
- 6
Wiederholungen vermeiden
Eine Information dort ausführen, wo ihr fachlicher Hauptzusammenhang liegt. In anderen Feldern nur ergänzen, wenn dort ein eigener Aspekt wichtig ist.
- 7
Lücken als Lücken stehen lassen
Ungeklärte Angaben nicht mit Vermutungen füllen. Offen benennen, was nachgefragt, beobachtet oder vertieft eingeschätzt werden muss.
Bearbeitbare Satzanfänge für A, B und C1
Die folgenden Einstiege werden auch in SIS Pilot angeboten. Sie geben eine Schreibrichtung vor, aber keine fachliche Antwort.
Feld A · Anlass und Kontext
- Anlass für die Einschätzung ist …
- Beobachtet wurde die Situation während …
- Am Gespräch beteiligt waren …
Feld B · Persönliche Sicht
- Die Person beschreibt ihre Situation so: …
- Im Moment ist besonders wichtig: …
- Unterstützung wird gewünscht bei …
C1 · Fähigkeiten und Unterstützung
- Für Absprachen hilfreich ist …
- Beim Aufstehen, Umsetzen oder Gehen fällt auf: …
- Bei der Selbstversorgung gelingt selbstständig: …
- Unterstützung wird benötigt bei …
Von allgemein zu beobachtbar
Die Beispiele sind fiktiv. Sie zeigen nur, wie mehr Kontext und Individualität sichtbar werden können; sie sind keine Vorlagen für einen realen Fall.
„Benötigt Hilfe beim Anziehen.“
„Das Oberteil zieht Frau M. morgens selbstständig an. Beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe bittet sie um vollständige Unterstützung.“
„Ist unsicher beim Gehen.“
„In der Wohnung geht Herr B. mit dem Rollator selbstständig. Beim Überwinden der Türschwelle hält er an und wünscht eine begleitende Person an seiner linken Seite.“
„Hat guten Kontakt zur Familie.“
„Der wöchentliche Besuch der Tochter ist Frau M. wichtig. An besuchsfreien Tagen telefoniert sie abends mit ihr und möchte dabei ungestört bleiben.“
Den eigenen Eintrag gegenlesen
- Ist erkennbar, wer etwas gesagt oder beobachtet hat?
- Wird eine konkrete Situation statt eines Etiketts beschrieben?
- Sind Fähigkeiten und gewünschte Unterstützung sichtbar?
- Passt der Eintrag in dieses Themenfeld?
- Bleibt eine offene Frage als offen erkennbar?
- Würde eine zweite Pflegefachperson den Zusammenhang verstehen?
Quellen und fachliche Grundlagen
Die Produktbeschreibung ist von den fachlichen Grundlagen getrennt. Für Definitionen und Aufbau verweisen wir auf die zuständigen Originalquellen.
- EinSTEP: Häufige Fragen zum StrukturmodellOriginalton, Verständigungsprozess und fachliche Anwendung.
- EinSTEP: Informations- und SchulungsunterlagenMaßgebliche Unterlagen für Einführung und Schulung.
- § 4 PflegeberufegesetzPflegefachliche Verantwortung für den Pflegeprozess.